Motorradtour durch Laos

Motorradtour durch Laos

Januar 2020

Die Anreise

Anreise A380

Tiefenentspannte Flugbegleiter sind eine großartige Sache. Bei einer gepflegten Küchenparty im A380 vergeht die Zeit quasi wie im Flug. 

Die Anreise

Insbesondere bei über 11 Stunden Flugzeit sind entspannte Flugbegleiter eine großartige Sache. Bei einer gepflegten Küchenparty im A380 verging die Zeit tatsächlich wie im Flug.

Nach der Einreiseprodzedur am Flughafen, die nicht nur vom vom Ambiente her ein wenig an DDR erinnerte, aber nichts desto trotz schnell und reibungslos von Statten ging, erwarteten uns auch schon Reiseleitermeister Jochen und Chefguide Thongkhoon.
Die Beiden an dem doch sehr überschaubaren internationalen Flughafen Luang Prabang zur verpassen scheint schier unmöglich.
Zum Hotel und - viel wichtiger - unseren Moppeds trennten uns nun, nach rund 14 Stunden in der Luft, nur noch 20 Minuten im klimatisierten Minivan. 

Honda CRF 250L

Unsere Mopeten hätten einem deutschen Graukittel wohl schon bei nicht so genauer Betrachtung den Blutdruck schwungvoll angeregt, aber für lokale Verhältnisse waren die Dinger nahezu neu. Letztendlich haben die meisten Moppeds die Tour in besserem Zustand überstanden, als der ein oder andere Fahrer. 

Die Route

Start und Ziel unserer Rundtour war die ehemalige Königs- und Hauptstadt von Laos, Luang Prabang,  Von dort führte uns das nächste Tagesziel in die Hauptstadt der laotischen Provinz Xieng Khouang, Phonsavan. Nachdem wir am Vorabend die letzten Kilometer im dunkeln zurücklegen mussten, sattelten wir pünktlich in der Früh auf und schlugen einen Hasenhaken in nördliche Richtung zu einem kleinen Kaff Names Muang Hiam. Von Muang Hiam steuerten wir am Ende des vierten Tages in das wunderschöne Muang Ngoi, das so abgelegen ist, dass man eigentlich nur nur mit dem Boot hinkommt. Oder eben mit Enduros 😎. Muang Ngoi ist so schön idyllisch, dass es nur logisch war, hier noch einen zusätzlichen Pausentag einzulegen.

Die nächste Etappe verlief dann leider nicht so ganz nach Plan und wir landeten am Ende ungeplant in Muang Xay der einzigen Stadt (mit Krankenhaus) inmitten einer vornehmlich von kleinen Bergdörfern besiedelten Gegend.

Von dort fuhren wir sozusagen nördlich der chinesischen Grenze, übernachteten in Muang Boun Tai um am nächsten Tag teilweise eine, dank tausender chinesischer LKWs, recht abenteuerlichen Straßenroute zurück nach Muang Xay zu nehmen.

Die letzte Motorradetappe führte uns nach Pak Beng, einem kleinen Städtchen am Mekong. Nach einem Frühstück mit Elephantenblick ging es dann genau auf diesem Mekong die letzte Etappe zurück nach Luang Prabang. Und da der Fluss zu tief ist, um ihn querzufuhrten, nahmen wir dafür ein Boot. (Ich liebe Bootfahren).

Die Strecken

staubig

Meistens ging es über recht moderate Offroadpisten, gewürzt mit ein paar technisch anspruchsvolleren Zwischen-Etappen. Was fast alle Strecken gemein hatten: Staub. Mal mehr, mal weniger. Je nach Position in der Gruppe und Abstand zum Vordermann, auch viel mehr. 

Ich weiß, wie Laos schmeckt. 

wässrig

Staubig klingt nach Wüste. Die Landschaft hat aber mitnichten auch nur entfernte Ähnlichkeit zu einer Wüstenlandschaft. 
Neben (noch) sehr viel Wald gibt es auch viele Flüsse und damit zwangsläufig auch viele lustige Furten, Fähren und Brücken. 

spaßig

Die Tracks und Routen die wir mit Freuden unter die Räder nahmen, findet man kaum auf einer Karte oder Routen-App. Den Reaktionen der Dorfbewohner, besonders der Kinder, zu urteilen, kommen auf diesen Strecken generell eher selten Ausländer vorbei. 
Ob mit oder ohne Asphalt, technisch mehr oder weniger anspruchsvoll, abgelegen oder mitten durch, eines hatten (fast) alle Strecken gemeinsam: einen großen Fahr-Spaßfaktor. 
Lediglich die große Hauptstraße 13, welche von China in das laotische Inland führt sollte man aufgrund des extremen LKW-Aufkommens aus und nach China besser vermeiden. Im Rest des Landes war der Verkehr jedoch sehr überschaubar, oder überhaupt nicht vorhanden.
 
Der Schwierigkeitsgrad unserer gefahrenen Tracks wäre wohl eher nichts für Kuschel-Piensluschis, aber im Großen und Ganzen durchaus auch für Offroad-Einsteiger geeignet. 

tückig

Trotz aller Vorsicht, bleibt der Ein- oder Andere Sturz beim Endurofahren grundsätzlich nicht aus. Und wenn dann noch ein bisschen Pech dazu kommt, gibt unter dem Enduro-Panzer auch schon mal ein Knochen nach. 
Neben dem reinen Luxus, unsere Enduros ohne 20kg-Gepäckrolle auf dem Sozius durch das Gelände jagen zu können, war auch genau dies der Grund für ein Begleitfahrzeug. 
 
In Laos gibt es quasi keinen Rettungsdienst , schon gar nicht mitten im Nirgendwo. Und die Anzahl der Krankenhäuser hält sich in dem Land in Grenzen. Ohne den Jeep hätte daher schon ein vergleichsweise harmloser Schlüsselbeinbruch zum echten Problem werden können. Auch mit dem Jeep war es wohl blöd und schmerzhaft für unseren Pechvogel, aber eben kein nachhaltiges Problem. Dank gut organisiertem Guide und Begleitfahrzeug und guter Versicherung konnte der kaputte Knochen schon am nächsten Tag in Bangkok zusammen geschraubt werden. 

Das Essen

Das laotische Essen ist auch für weniger experimentierfreudige Gaumen unkompliziert und lecker. Und immer Reichlich. 
Ein Highlight ist der Hotpot, die laotische Version des Fondue.

Es gibt natürlich auch genügend exotische "Mutproben" für den der es mag. 

Neben den in Asien üblichen kleinen Snacks, wie frittiere Maden und andere Insekten, erfreuen sich auch grillte und getrocknete Berg- und Feldratten einer gewissen Beliebtheit als günstiges Nahrungsmittel.
Ich persönlich blieb dann doch lieber bei Larb - einer Art laotischen Fleischsalates.

Auf Tour hat Thongkhoon immer wieder eine Möglichkeit gefunden uns ein überraschend gutes Essen zu zaubern.

Nicht alles was nach Wasser aussieht und auch nur soviel kostet wie Wasser, ist auch Wasser. In diesem Fall ist es ein (grausliger) "Whisky". Zur Pausenerfrischung auf Tour eher weniger geeignet. Zur Wund-Desinfektion und als Kettenreiniger dagegen ganz bestimmt super. 

Schlecht für's Leistungsgewicht: Abends ging die Völlerei natürlich noch weiter. Nur etwas stilvoller und mit Beerlao statt Wasser. 

Oder eben auf dem Nachtmarkt. Ich liebe asiatische Nachtmärkte. 

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kochender Guide

kochender Guide

Auf Tour hat Thongkhoon immer wieder eine Möglichkeit gefunden uns ein überraschend gutes Essen zu zaubern.

Wasser oder Whisky

Wasser oder Whisky

Nicht alles was nach Wasser aussieht und soviel wie Wasser kostet, ist auch Wasser. In diesem Fall ist es ein (wenig geschmackvoller) "Whisky".
Zur Pausenerfrischung auf Tour weniger geeignet. Zur Wund-Desinfektion dagegen ganz bestimmt super.

Beerlao

Beerlao

Abends ging es dann genauso lecker weiter. Nur mit Beerlao statt Cola und Wasser.

Nachtmark

Nachtmark

Oder eben auf dem Nachtmarkt. Ich liebe asiatische Nachtmärkte.

Die Landschaft

Großartig! Regenwälder, Monsunwälder, Urwälder, Flüsse, Berge. Einfach alles was das Endurowanderherz begehrt. 

Die Leute

Trotz der allgegenwärtigen Armut blickt man ausschließlich in lächelnde Gesichter. Da in den abgelegenden Dörfern selten ein Ausländer vorbeikommt, waren wir mit unseren Maschinen und bunten Enduropanzern vor allem für die Kinder eine Mischung aus Aliens und Superhelden. Manchmal durften wir erst nach ein, zwei kühlen Bier und zwei dutzend Selfies weiter ziehen. 

Das Landleben

Hinter jedem "ursprünglichen Landleben", dass wir Reisende meistens so spannend finden, steht letzten Endes leider ein leerer Geldbeutel. In Laos sind einige Bauern immer noch reine Selbstversorger, gänzlich ohne Einkommen.

Aber auch wenn viele Menschen auf dem laotischen Land noch in einfachen Holzhütten wohnen und sich das ganze Dorf eine einzige Wassertretstelle teilt, leben sie deshalb technisch nicht hinter dem Mond. So bekommt man selbst mitten im Busch an einem kleinen Holzunterstand neben Bananen auch meistens für kleines Geld 4G-Prepaid-Karten zu kaufen. Und was die Netzabdeckung betrifft, treibt diese dem Industriestandort Deutschland eh die Schamesröte ins Gesicht. 

Die Bomben

Eines der größten Umweltprobleme in Laos sind immer noch die unzähligen Blindgänger aus dem Vietnamkrieg.

Mehr als zwei Millionen Bomben haben die Amerikaner zwischen 1964 und 1973 vom Himmel regnen lassen. Das sind neun Jahre lang alle acht Minuten eine komplette Flugzeugladung Bomben! Auf eine Fläche, deutlich kleiner als Deutschland. Kein anderes Land der Welt wurde jemals so stark Bombardiert wie Laos. Einem Land, dem übrigens niemals jemand den Krieg erklärt hat.

Die Blindgänger machen bis heute das Land zu einem mit den größten Mengen an nicht explodiertem Kriegsmaterial im Boden. Bis zu 80 Millionen Blindgänger wurden 2015 noch im laotischen Boden vermutet. Keine schöne Sache. Insbesondere nicht für einen stark landwirtschaftlich geprägten Staat.

Es sind so viele Bomben, dass sie ein Teil der Landschaft geworden sind, ein Teil der Umwelt. Also, es ist kein Fremdkörper mehr, sondern es ist ein Teil dieses Ökosystems. Sie sind einfach immer da. Wie Wasser, Steine, Bäume, Bomben

Was diese Sauerei ausgelöst hat, war schlicht das Gerücht, dass sich hier Kommunisten versteckt hielten, die mit den Nordvietnamesen zusammenarbeiten und die Tatsache, dass die Flugzeuge nicht mit vollen Bombenschächten landen durften. Dafür gab es dann in Laos "Free Load Areas" für die Geschosse, die auf den Einsätzen über Vietnam übrig geblieben waren.

Einige Bauern versuchen heute das Beste daraus zu machen, indem Sie das Material der Bomben einschmelzen und zu Werkzeug, Messer, Löffel, Zaunpfähle und Schmuck verarbeiten.

Angesichts dieser fleißigen Arbeit der übermotivierten US Air Force muss man sich wundern, dass es das Land überhaupt noch gibt. Nicht wundern muss an sich mit Blick auf diese Zahlen, dass die US-Bomben an jeder Ecke als Blumenkübel oder Zaunpfahl zu sehen sind.

MAG hat sich zur Aufgabe gemacht, das Land von den Mienen und Blindgängern zu befreien. Mehr dazu unter https://www.maginternational.org/

Luang Prabang

Luang Prabang war die Hauptstadt des historischen Königreichs Lan Xang und des französischen Protektorats Laos. Bis zur Abschaffung der Monarchie in Laos 1975 war es die Königsstadt. Seit der wirtschaftlichen Liberalisierung 1991 wandelete sich die Stadt langsam zu einem der wichtigsten touristischen Ziele des Landes, ist mit seinen gerade mal knapp 70.000 Einwohnern (Stand 2015) aber immer noch schön überschaubar. 

1995 wurde Luang Prabang aufgrund seiner vielen buddhistische Klöster und der französische Kolonialarchitektur im Stadtzentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Die Unterkünfte

Die Bandbreite der regional unterschiedlichen Standards ist natürlich groß, auf so einer Reise. Dass es, insbesondere außerhalb der Städte, eher rustikal zugehen würde, hatte ich erwartet. Nicht erwartet hatte ich den teilweise hohen Standard und Luxus. 

  • Zu den Highlights der Unterkünfte zählt auf jeden Fall die SANCTUARY PAKBENG LODGE in Ban Done Khame ...

  • ... mit direktem Blick auf den Mekong Elephant Park. 

  • Auch sehr gemütlich und schön waren das Ning Ning Guest House in Muang Ngoi ...

  • ... und das PARASOL BLANC, unserer "Homebase" in Luang Prabang. 

  • Ankunft am Heungkhamxay Guest House in Ban That Hium / Muang Hiam. 

  • In solchen abgelegenen Städtchen geht es dann natürlich etwas rustikaler zu. 

  • Da kann einem unter Umständen auch schon mal die Decke auf den Kopf fallen ....

  • ... und das Vogelgezwitscher direkt aus der Klimaanlage kommen. 😂

  • Sieht eigentlich ganz bequem aus, ist wohl auch fast schon Luxus für laotische Verhältnisse, fühlte sich aber schlicht an wie ein Brett, nicht wie ein Bett. 

Links zu meinen Top-3 Hotels der Tour: SANCTUARY PAKBENG LODGEPARASOL BLANCNing Ning Guest House

Der Mekong

Eine Bootsfahrt, die ist lustig. Und wenn der fast 5.000 kilometer lange Mekong schon mal zufällig da ist, nutzen wir ihn natürlich auch um die letzte Tagesetappe zurück nach Luang Prabag nach Hause zu schwimmen. 

Die Gruppe

Noch wichtiger als funktionierende Mortorräder bei einer Motorrad-Gruppenreise ist eine funktionierende Gruppe. 
Diese hier hat gar vorzüglich funktioniert. Insbesondere auch wenn es mal nicht nach Plan lief. 
Dafür ein dickes DANKESCHÖN an alle!! Hat echt Spaß gemacht mit euch. 

Credits

  • Thongkhoon & Team - the very best Enduro-Tourguide in the world

  • Jochen - der Reiseleitemeister und Tourproduzent ohne den einige von uns dieses wunderbare Land wohl nie kennengelernt hätten

  • Herbert, Hendrik, Arnd, Sabine, Ralf, Alexander, Mark, Björn - die beste Reisgruppe und Urheber der Bilder und Videos dieser Onepager-Story. 

  • Greendiscovery - das Backoffice unseres Tourguides, das sich im Hintergrund sensationell um alle (Um-)Buchungen gekümmert und das Begleitfahrzeug etc. gestellt hat. Wer eine solche Tour selbst in Angriff nehmen will meldet sich am besten direkt bei https://greendiscoverylaos.com/

Ernie Trölf 2020