Japan – ein fremder Planet. Tokyo sein Herz.
Irgendwo zwischen Bladerunner und DDR. Zwischen Neonlicht und VHS Kasette. Zwischen Zukunft, die schon wieder alt ist, und Vergangenheit, die nicht loslässt. Nicht analog, nicht digital. Das Gute von damals, gestern und morgen.
Tagsüber Gewusel, Leben, Highllife. Nachts Ruhe, Muße, Watte im Ohr. Der sanfte Rythmus der Megastadt die niemals wirklich schläft, aber spürbar das Tempo ändert. Wie ein Boxer zwischen zwei Runden. Schwer atmend, aber lebendig. Kein Stillstand, aber Stille.
Alles läuft. Alles pünktlich. Alles aufgeräumt.
Unfassbar, wie still es sein kann in einer Metropole, in der siebenunddreißig Millionen Lungen atmen. Wie scheinbar alle gleichzeitig in richtung Metro strömen – ohne zu drängeln. Würdevoll, diszipliniert bis in die Fingerspitzen. Scheinbar immer freundlich. Die Einheimischen zumindest. Touristen sind Touristen. Bin nur selber keiner. Eh klar.
Hunger. Die längste Schlange zeigt den Weg. Schwarze Haare in Reih und Glied. Nur Geduld, da gibt's das gute Zeug.
Sushi, Okonomiyaki, Tempura, Tamagorice, Udon, Ramen, Soba.
Alles. Immer. Mehr! Vom Meister oder aus dem Konbini. Soviel besser als daheim.
Geschmackvoll rein, stilvoll raus. Saubere Toiletten überall. Architektonische Highlights mit Arschdusche. Hightechmaschinen mit Wasser, die dich reinigen als wär’s 'ne Beichte. Lossprechung mit Sitzheitzung.
Alle paar Meter ein Automat, der dich ansieht wie ein alter Freund. Die meisten mit Getränken. Manche mit Kursiositäten.
Baustellen mit choreografierten Leuchtstabwinkern. Ballett im Asphalt. Viel hilft viel. Manche Einfahrt sieht aus wie eine Technoparty in den achzigern.
An jeder Ecke zwei Konbini. Zehn Quadratmeter für alles, was du brauchst. Bier, Batterien, Socken, ein Faxgerät.
Kleine Läden wie Fundstücke. Cafés mit Katzen, Eulen, Ottern, Schweinchen. Alles ein bisschen verrückt, alles ernst gemeint. Ein Karneval aus Wahnsinn und Verkleidung.
Weiße T-Shirts im weißen Laden, Donki mit blinkenden Hirnschleifen. Yodobashi, ein Tech-Tempel der dich frisst. Von Jingles hypnotisiert, bis du vergisst, wer du bist.
Second-Hand-Läden, die wie Tempel glänzen. Alte Kameras, die aussehen, als wären sie gerade aus der Fabrik gefallen. Jeder verdammte Gegenstand poliert, verehrt, am Leben gehalten.
Alles hier hat eine Seele. Alles hier atmet. Alles hier arbeitet.
Respekt als Volks-DNA.
Tokyo ist eine Droge.
Und ich bin abhängig.